Vom antiken Bronze bis zur modernen Kunstform
Ein tiefer Einblick in die Welt der Jazz-Becken, ihre Geschichte, Bedeutung und wie sie deine Musik prägen
Wenn du einen großen Jazz-Musiker beobachtest – ob Tony Williams, Jack DeJohnette oder Philly Joe Jones – wirst du verstehen, dass die Wahl der Becken nicht einfach nur eine technische Entscheidung ist. Sie ist eine künstlerische Erklärung.
Jazz-Becken sind nicht wie andere Musikinstrumente. Sie sind lebendige, atmende Klangkörper. Während ein Flügel oder ein Saxophon dir Noten geben, geben dir Becken Farben, Emotionen und Raum.
"Die Wahl deiner Becken ist wie die Wahl deiner Stimme. Jedes Becken hat eine Persönlichkeit, eine Seele. Es sagt etwas über dich als Musiker aus."
Über 3000 Jahre Beckengeschichte führen uns von den alten Zivilisationen Mesopotamiens, Chinas und des Mittelmeerraums direkt zu modernen Jazz-Clubs in New York City.
Die ersten Becken waren einfach: Bronze-Legierungen, die von Hand geschlagen wurden. Sie wurden in Zeremonien, Kriegen und religiösen Ritualen verwendet. Ihre Funktion war kraftvoll und primär – Aufmerksamkeit erregen, Lärm machen, Respekt einflößen.
Das Spiel änderte sich, als Becken in europäische Orchester kamen. Plötzlich waren sie nicht mehr nur Lärminstrumente – sie wurden nuanciert, musikalisch, subtil. Komponisten begannen, sie als echte Instrumente zu behandeln.
Aber die wahre Revolution kam mit dem Jazz des frühen 20. Jahrhunderts.
Als Jazz in New Orleans und Chicago explodierte, brauchten Drummer etwas Neues. Sie brauchten:
In der Swing-Ära verlagerten Drummer wie "Papa" Jo Jones den Puls von der Bassdrum auf Hi-Hat und Ride-Becken. Sie begannen, den Klang nicht nur zu spielen, sondern zu formen – mit öffnender und schließender Hi-Hat, feinen Stick-Definitionen und enormer Dynamik.
Sie suchten Becken mit warmem, komplexem Sound, die eine Band tragen konnten, ohne laut zu sein – musikalische Stimmen statt bloßer Perkussion.
Das war die Geburt des Jazz-Beckens als eigenständige Klangfigur im Set.
Jazz-Becken sind paradox: Sie sollen hell aber warm, laut aber kontrolliert, brilliant aber smooth klingen.
Das ist nicht einfach zu erreichen. Es erfordert perfekte Material-Zusammensetzung, präzise Hammertechniken und tiefe handwerkliche Expertise.
Ein Rock-Becken will einfach nur krachen. Ein Jazz-Becken will sprechen.
Jazz ist ein wandelndes Genre. Ein Musiker könnte an einem Abend:
Jazz-Becken müssen alles können. Sie brauchen genug Wärme für Swing, genug Definition für Bebop, genug Subtilität für Ballads.
Das ist eine enorme Anforderung. Rock-Drummer können ein Set für Heavy Metal haben und ein anderes für Blues. Jazz-Drummer? Wir spielen mit den gleichen Becken.
Ein Rock-Becken ist nach 5 Jahren "out of fashion". Jazz-Becken aus den 1950ern sind immer noch wertvoll.
Warum? Weil Jazz eine konservative Kunstform ist. Sie respektiert Tradition. Legenden wie Coltrane, Miles und Bill Evans spielten mit Vintage-Becken. Deshalb sind alte Zildjian K-Becken immer noch begehrter als neue.
Das bedeutet: Wenn du Jazz-Becken kaufst, investierst du nicht nur in ein Instrument. Du investierst in ein Stück musikalische Geschichte.
Jazz-Becken werden überall auf der Welt produziert – und jede Gegend hat ihren eigenen Sound-Signature:
🇺🇸 Zildjian (USA)
Das älteste amerikanische Cymbal-Unternehmen. Sie konzentrierten sich auf warme, komplexe Becken mit Sustain. K-Becken sind noch immer der Goldstandard für Traditional Jazz.
🇨🇦 Sabian (Kanada)
Gegründet von ehemaligen Zildjian-Handwerkern. Sie suchten nach Becken, die heller, schneidender, moderner klingen. Perfekt für Fusion und Contemporary Jazz.
🇹🇷 Istanbul (Türkei)
Das Zentrum der Becken-Handwerkskunst. Türkische Handwerker verwenden antike Techniken, uraltes Wissen, handgefertigte Präzision. Jedes Becken ist ein Unikat.
🇩🇪 Meinl (Deutschland)
Deutsche Präzision + europäische Tradition. Meinl konzentriert sich auf vielseitige Becken – warme K-ähnliche Serien, aber auch moderne, schneidende Sounds.
🇨🇭 Paiste (Schweiz)
"Sound Engineered" – Paiste ist sehr methodisch. Sie entwickeln Becken mathematisch, systematisch. Das ist europäischer als türkisch.
Aber es gibt noch einen tieferen Grund für die Vielfalt: Unterschiedliche Jazz-Ären brauchten unterschiedliche Becken.
Deshalb gibt es 100+ Variationen. Nicht zur Verwirrung, sondern zur Erfüllung aller musikalischen Bedürfnisse.
Und dann gibt es noch die Custom Maker.
Warum würde ein Drummer €600 für ein Custom Becken zahlen, wenn Zildjian K für €400 verkauft wird?
Weil Custom Maker Künstler sind, keine Fabrik-Arbeiter.
Ein Custom Maker kann dir sagen: "Ich höre dein Spiel. Ich kenne deine Musik. Ich werde dir EIN Becken bauen, das nur für dich arbeitet."
Das ist nicht möglich mit Fabrik-Produzenten. Zildjian kann nicht jedes Becken perfekt für jeden Drummer abstimmen. Custom Maker können.
Dies ist vielleicht die wichtigste Einsicht:
"Deine Beckenwahl ist nicht technisch. Sie ist persönlich. Sie ist eine Erklärung deines musikalischen Ich."
Wenn du warme, dunkle Zildjian K-Becken spielst, sendest du das Signal: "Ich stehe auf Tradition. Swing, Bebop und akustische Settings sind mein Zuhause."
Wenn du zu modernen, schneidenden Sabian HHX-Becken greifst, sagst du: "Ich mag Fusion, Contemporary und elektrisch. Ich schneide durch jede Band."
Mit trockenen, minimalistischen Becken zeigst du: "Ich mag subtile, kontrollierte Sounds, viel Raum für die Band und Acoustic Jazz, bei dem weniger oft mehr ist."
Und mit Custom Becken oder Einzelstücken machst du klar: "Mein Sound ist persönlich. Ich suche etwas, das man nicht im Standard-Katalog findet."
Aber hier ist das Interessante: Diese Identität ist nicht statisch.
Als Anfänger brauchst du vielseitige, einsteigerfreundliche Becken. Als Intermediärler brauchst du spezialisierte Becken, die deinen wachsenden Sound widerspiegeln. Als Professionelle brauchst du Becken, die deinen einzigartigen Sound DEFINIEREN.
Jack DeJohnette begann mit Standard-Becken. Heute ist sein Sound so spezifisch, dass ein Fan die Becken hören kann, ohne sein Gesicht zu sehen.
Das ist nicht Magie. Das ist 30+ Jahre konstante Beziehung mit seinen Becken.
B20 Bronze (80% Kupfer, 20% Zinn) ist der Standard für Jazz-Becken. Aber hier gibt es große Unterschiede:
Selbst mit der gleichen Material-Zusammensetzung können zwei Handwerker komplett unterschiedliche Becken schaffen.
Türkische Handwerker verwenden traditionelle Hammer-Techniken, die über Generationen weitergegeben wurden. Jeden Schlag individuell, mit Gefühl.
Schweizer Maschinen sind präzise und konsistent. Jedes Becken der Serie ist identisch mit den anderen.
Das ist kein "besser oder schlechter" – nur andere Philosophien.
Größere Becken = weniger Obertöne, mehr Sustain. Kleinere Becken = schneller, direkter, heller.
Schwerere Becken = tiefer, dunkler. Leichtere Becken = heller, mit weniger Sustain.
Es gibt keine "Richtige" Größe. Es gibt nur deine Größe.
Jazz-Becken können teuer sein: Ein gutes Setup liegt bei 300–1000 €, Premium-Konfigurationen deutlich mehr.
Aber gute Nachrichten: Mit Recherche und Ausprobieren findest du musikalische Jazz-Becken zu moderaten Preisen – Istanbul Agop Xist, Bosphorus Traditional, Meinl Byzance oder gebrauchte Perlen.
Ein Trommelfell hält 3-6 Monate. Hardware wird nach 5 Jahren altmodisch. Aber ein Becken von 1955? Es wird für immer wertvoll sein.
Alte Zildjian K-Becken sind heute teurer als neue. Das sagt alles.
Fazit: Investiere in deine Stimme – egal ob Budget-Smart oder High-End.
Jetzt, da du verstehst, warum Becken so besonders sind, ist die nächste Frage:
Welche Becken passen ZU DIR?
Das ist keine technische Frage. Das ist eine persönliche Frage.
Antworte 10 Fragen und finde heraus, welcher Jazz-Becken-Typ DU wirklich bist – und welche Becken-Serien perfekt für deinen Sound sind.
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